Zeitstrahl

ab 1893

zum Ursprungszustand der VIlla Buth


zur Entstehungs-
geschichte der Villa Buth

Im Auftrag des Papierfabrikanten Carl Eichhorn wurde die Villa im Jahr 1893 erbaut und diente der Familie seiner Tochter als ständiger Wohnsitz, aber auch als Repräsentationsbau.

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Die Villa Buth ist repräsentatives Zeugnis für die Villenbautätigkeiten des industriellen Großbürgertums des späten 17. Jahrhunderts und erzählt von richtungsweisenden Entwicklungen des Ortes. Ihre Entstehung zeugt von dem Umschwung, als sich in dem ehemals von Landwirtschaft geprägten Raum die Papierproduktion in Kirchberg einbürgerte und bis heute den Ort prägt.

Die Erbauung der Villa Buth wird auf das Jahr 1893 geschätzt. Im Auftrag des Papierfabrikanten Carl Eichhorn wurde sie als Wohnhaus für die Familie seiner Tochter, Clara Eichhorn, und ihres Ehemannes und Namensgebers der Villa, Emil Buth, geplant und errichtet [1]. Ihr zugehörig ist neben der Garten- auch eine ausladende Parkanlage, die in ihrer Gestaltung an die der Villa geknüpft ist und mit dieser eine Einheit bildet.


[1]    M. Kummer und T. Ohrndorf, „Architektur und Baugeschichte der Villa Buth, in Villa Buth: Zwischenstation zum Holocaust (Veröffentlichungen des Jülicher Geschichtsvereins 1923 e.V. 22), T. Ohrndorf und I. Gedig, Hg., 2. Aufl. Ammianus Verlag, 2024, S. 19–33.


die Fassade –
eine spur aus der Vergangenheit

Die größte und repräsentativste Spur aus der Entstehungszeit der Villa ist wohl ihre Fassade. Geprägt von ihrer Geschichte und dennoch in ihrer vollen Pracht zu bewundern. Ein kubischer Körper, von Stuckelementen gegliedert.

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Die Villa Buth wurde in der Bauart einer Putzvilla errichtet – Mauerwerkswände verschwinden hinter einer Putzschicht, die wiederum von einer Struktur aus Stuckelementen gegliedert wird.

Der Baukörper allgemein kann als kubisch geschlossen beschrieben werden, ergänzt durch an beiden Hauptseiten hervortretende Baukörper. Unauffällig versteckt sich die Dachfläche, eine Kombination aus mittigem Flachdach und seitlichen flachen Satteldächern, vor dem Betrachter und verstärkt das kubische Erscheinungsbild des Baukörpers.
Es lassen sich von außen anhand der Fensterreihen vier Geschosse ablesen: Über einem rustizierten Sockelgeschoss erstrecken sich zwei Hauptgeschosse, bekrönt vom Mezzaningeschoss, das den Baukörper unter der Dachzone abschließt. Gegliedert wird diese Geschossigkeit in der Fassadengestaltung durch Gesimse, die das Gebäude auf allen Seiten umfassen. Beide Hauptfassaden sind außerdem in eine übergeordnete Dreiteiligkeit beziehungsweise eine Fünfteiligkeit anhand der Fenster und Stuckelemente gegliedert. Diese Dreiteiligkeit – die Außenachsen sind von flachen Satteldächern bekrönt und setzen sich auch sonst in ihrer Gestaltung von der mittleren Achse ab – lässt sich auch im Inneren der Villa wiederfinden und zieht sich dort durch alle Geschosse. Die Fünfteiligkeit ergibt sich anhand der fünf Fenster und wird außerdem durch Wandpfeiler und kannelierte Pilaster verstärkt. Auf der Straßenfront springt über dem Sockelgeschoss eine Terrassenfläche hervor, die sich über die ganze Länge der Fassade erstreckt. Hier geht die vertikale Gliederung in Säulen über, die gleichzeitig die Lasten der Terrasse aufnehmen. Geteilt wird die Terrasse von einem ebenfalls hervortretenden Mittelrisalit, der sich bis zum Mezzaningeschoss erstreckt und dort von einem Balkon bekrönt wird.
Die rückwärtige Fassade folgt derselben übergeordneten Gliederung. Doch entspringt auf der Mittelachse dieser Seite eine Freitreppe, die auf eine Loggia im ersten Hauptgeschoss zuführt. Diese Loggia ist in der Breite der Mittelachse ausgebildet und öffnet sich über drei Bögen zum Außenraum. Die Fassade und damit die Eingangstür ist hier entsprechend nach hinten versetzt.
Die beiden kurzen Fassadenseiten sind einander identisch und folgen keiner weiteren vertikalen Gliederung. Von Wandpfeilern und kannelierten Pilastern gerahmt, bilden sich die vier Fensterreihen in der beschriebenen horizontalen Gliederung ab.
Allgemein ist die Fassade von reichen Stuckelementen geschmückt: Alle Fenster sind schmuckvoll gerahmt, in den Hauptgeschossen von Pilastern und Säulen; die flachen Satteldächer enthalten eine ornamentale Stuckgestaltung; des Weiteren verzieren stuckierte Medaillons sowie eine große Varietät figürlicher Darstellungen die Villa.

Ob es sich bei den Stuckelementen um Einzelstücke eines Künstlers handelt oder auch die Motive eine tiefere Bedeutung für die Villa und ihre Besitzer gehabt haben, ist zu hinterfragen und es darf vermutet werden, dass es sich stattdessen um Produkte einer seriellen Fertigung handelt, die aus Musterbüchern ausgewählt werden konnten und Werkzeug für die Entwicklung eines Fassadenkonzeptes darstellten.


Einordnung in die Villenbautätigkeiten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Entstammend aus der Zeit der Industrialisierung und vom Papierfabrikanten Carl Eichhorn in Auftrag gegeben, lässt sich die Villa Buth als „Fabrikantenvilla“ in die zu dieser Zeit verbreiteten Villenbautätigkeiten einordnen.

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Die „Villa“, also „das in gärtnerischer Anlage freistehende und dem ständigen Aufenthalt dienende Wohnhaus“ [1], hat sich seit den 1840er Jaren als eigenständige Bauaufgabe herausgebildet. Sie entstand aus dem Repräsentationsbedürfnis des wohlhabenden Industriebürgertums, das sich sowohl sozial als auch räumlich von den ärmeren Schichten abgrenzen und sein Aufstiegsbestreben durch die Nachahmung aristokratischer Lebensformen sichtbar machen wollte [1].

Dieter Dolgner beschreibt das Erscheinungsbild eines typischen Villenanwesens wie folgt: „Mit Vorliebe errichtete man {die Villa] an erhöhter Stelle. Ein Vorfeld von Garten und Baumpark bewirkte die nötige Distanz, schuf Achtungsradius, ohne jedoch die Tendenz zur Herrschaftspräsenz zu mindern. Der in den Villen entfaltete pseudofeudale Lebensstil fand sichtbaren Ausdruck in der Erhöhung durch Sockel und Terrassen, […] nicht zuletzt aber in den monumentalen Ordnungen und dem dekorativen Einsatz überlieferter Formelemente“ [2]

In den frühen Phasen der Villenbautätigkeiten, zwischen 1840 und etwa 1875/80, lagen Planung und Ausführung dieser neuen Bauaufgabe überwiegend in den Händen von Bauunternehmern. Infolgedessen entstanden in diesem Zeitraum vornehmlich Rezeptionen freistehender Einfamilienhäuser, die bereits in Musterbüchern publiziert waren. Erst ab den 1880er Jahren lässt sich ein zunehmendes Interesse von Architekten an der Bauaufgabe der ‚Villa‘ als Planverfasser festhalten.
Hinweis darauf, dass eine Villa von einem Bauunternehmer geplant und ausgeführt wurde, gibt ein einfaches Grund- und Aufrisskonzept.  Andererseits spricht für die Arbeit eines Architekten neben der Größe des Gebäudes und dem damit verbundenen großen Raumangebot im Inneren auch eine vielseitige, ornamentreiche Fassadengestaltung [1]

Das äußere und innere Erscheinungsbild der ‚Villa‘ im Deutschland des 19. und frühen 20. Jahrhundert veränderte sich im Laufe der Zeit. Diese stilgeschichtliche Entwicklung wurde von Volker Duvigneau in die folgenden Phasen unterteilt, die jeweils von verschiedenen inhaltlichen und formalen Einflüssen bestimmt wurden:

  1. Nach 1840: der Klassizismus und die Übernahme der italienischen Hochrenaissance
    – der kaum gegliederte rechteckige Grundriss in geschlossenem kubischem Aufbau
  2. Nach 1860: der Historismus mit den Stilrichtungen der Neogotik, der französischen und deutschen Renaissance sowie des sogenannten ‚Modern English‘
    – der aufgelockerte rechteckige Grundriss mit Aufgliederung in Haupt- und Nebenteile
  3. Nach 1900: die ‚Neue Richtung‘ in der Formensprache des Jugendstils, der Heimatkunst, des Neoklassizismus und des Neobarock
    – der Grundriss ist deutlich asymmetrisch verschachtelt; der Aufbau bestimmt ein hartes, übergangsloses Nebeneinander von verschiedenen stereometrischen Formen. Die Gebäudehöhe der einzelnen Bauglieder ist stets verschieden.
    [3]

Alle dieser drei Villentypen orientieren sich an den repräsentativen Wohnbauten Karl Friedrich Schinkels, der mit dem „Neuen Pavillon“, „Schloss Tegel“ sowie „Schloss Babelsberg“ bereits in den 1820er beziehungsweise frühen 1830er Jahren die unterschiedlichen Architekturkonzeptionen der großbürgerlichen „Villa“ entworfen hatte. [1]

Wie lässt sich die Villa Buth nun in die Geschichte der Villenarchitektur einordnen?

Ihr Erbauungsdatum, 1893, weist zunächst einmal auf die von Volker Duvigneau beschriebene zweite Phase der Villengestaltung hin. Nichtsdestotrotz ist die Villa Buth mit ihrem kaum gegliederten rechteckigen Grundriss eindeutig der ersten Phase zuzuordnen. Villenbauten dieser Phase weisen einen kubisch geschlossenen Baukörper mit einer dreiteiligen Gliederung auf, häufig mit einem überhöhten, risalitartigen Mittelteil [1]. Und auch die Villa Buth kann als kubisch geschlossen beschrieben werden, mit einer dreiteiligen Gliederung, ablesbar sowohl anhand der Fassadengestaltung der beiden Hauptfassaden als auch in der Grundrissgestaltung. Das sich in seinem Erscheinungsbild zurücknehmende Dach verstärkt das kubische Erscheinungsbild aus dem zum einen die Freitreppe und zum anderen der Mittelrisalit mit seinen zu beiden Seiten flankierenden Terrassenflächen aufgebrochen wird.

Über die Gestaltung des Baukörpers hinaus beschreibt V. Duvigneau eine Übernahme von Stilelementen der italienischen Hochrenaissance sowie des Klassizismus, die typischerweise Bauten dieser Villenbauphase verkleideten [3]. Und tatsächlich findet sich bei einem Blick in die Literatur vergleichender Baustile Elemente sowohl des Klassizismus als auch der Renaissance wieder, die in der Fassadengestaltung der Villa Buth angewandt wurden, darunter die Gestaltung von Fenstern und Pfeilern. Aber auch die Grundrissaufteilung eines Wohnhauses aus der Epoche der Renaissance, die der der Villa Buth sehr verwandt zu sein scheint [4].


[1]    Reinhard Dauber (1985): Aachener Villenarchitektur. Die Villa als Bauaufabe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Zugl.: Aachen, Techn. Hochsch., Habil.-Schr., 1983. Reklinghausen: Bongers.

[2] Dieter Dolgner, Architektur im 19. Jahrhundert. Ludwig Bohnstedt – Leben und Werk. Hermann Böhlhaus, Weimar 1979, S. 61

[3] Volker Duvigneau, Die Potsdam-Berliner Architektur zwischen 1840 und 1875 an ausgewählten Beispielen. Dissertation Universität München 1966, S. 49

[4] Herbert Pothorn (1968): Baustile. Südwest Verlag GmbH Co. KG, München


von Repräsentation bis Hauswirtschaft – so war die innere Ordnung der Villa ursprünglich geplant

Die innere Struktur der Villa orientiert sich an der Dreigliedrigkeit ihrer Fassade. Typischerweise dienten die beiden Obergeschosse als Wohn- und Repräsentationsbereich der Familie, während Personal und Hauswirtschaft im Keller- und Dachgeschoss unterkamen.

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Die Dreigliedrigkeit der Fassadengestaltung findet sich auch im Inneren der Villa Buth wieder. Die Grundrissstruktur kann als eher einfach beschrieben werden und zieht sich durch alle Geschosse, wobei sie an einzelnen Stellen leicht abgewandelt wird. Die Mittelachse ist breiter als die beiden äußeren Achsen. Entsprechend entsteht jeweils ein großer zentraler Raum, gerahmt von je zwei weiteren Räumen zu beiden Seiten. Im Sockelgeschoss entspringt der Mittelrisalit und dient als Treppenhaus, von dem aus die beiden Hauptgeschosse erschlossen werden können. Diesem angeschlossen ist auf der Mittelachse aller Geschosse außerdem eine zentrale Diele, das Vor- und Verbindungszimmer zu den Haupträumlichkeiten.

Anders als das äußere Erscheinungsbild der ‚Villa‘, blieb das Raumprogramm der Villenarchitektur Bestreben einer Nachahmung aristokratischer Lebensformen bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges weitgehend gleich. Zu den wichtigsten Forderungen gehörte hier die nach einer „ruhigen Behaglichkeit“ für die Bewohner und ihre Gäste. [1]
Grundlegende Gedanken lassen sich auf die Villa Buth anwenden und helfen, ihre übergeordnete Aufteilung zu verstehen. „Die Wohn- und Repräsentationsbereiche erstreckten sich immer über zwei Hauptgeschosse“, wobei Wohn- und Empfangszimmer als ‚öffentliche‘ Repräsentationsräume der Eingangsebene zuzuordnen sind, die darüber liegende Ebene beherbergte die Schlafzimmer der Familie. In Keller und Mezzaningeschoss kamen Hauswirtschaftsräume und der Wohnbereich des Personals unter [3].
Da sich die Räume der Villa Buth weder in ihrer Dimensionierung noch ihrer Proportion deutlich voneinander unterscheiden, fällt es schwer, ihnen im Nachhinein eine konkrete Funktion zuzuordnen. Die Literatur zum Thema Villenbau gibt Hinweise auf grundsätzliche Ideen der Grundrissaufteilung, die sich zwar auf die Villa anwenden lassen, aber natürlich nur Indizien und keine Beweise sind.
So wurde die Vorstellung vertreten, dass Funktionen anhand von Himmelsrichtungen zuzuordnen waren – beispielsweise wurde empfohlen, das Hauptschlafzimmer stets nach der Sonnenlage auszurichten, „und zwar ist für sie die Ostlage die beste, um schon beim Aufstehen im Genuß der lebensspendenden Sonnenstrahlen zu sein“ [1]. Ein solches Zimmer lässt sich in der Villa Buth ausmachen, das auch zu den größeren Zimmern dieser Etage gehört. Ob sich dort tatsächlich einmal ein Schlafzimmer befunden hat, lässt sich aber nicht mit Sicherheit sagen.


[1]    Reinhard Dauber (1985): Aachener Villenarchitektur. Die Villa als Bauaufabe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Zugl.: Aachen, Techn. Hochsch., Habil.-Schr., 1983. Reklinghausen: Bongers.

[2]    Hermann Muthesius (1909): Kultur und Kunst. Jena: Eugen Diedrichs. S. 96

[3]    Barbara von Germersheim (1988): Unternehmervillen der Kaiserzeit. (1871 – 1914); Zitate traditioneller Architektur durch Träger des industriellen Fortschritts. Zugl.: Bochum, Univ.,Diss., 1987. München: Scaneg (Beiträge zur Kunstwissenschaft, 25)


Von vielen Eingangsmöglichkeiten und
warum heute keinen Sinn mehr macht, was damals funktionierte

Es kann deutlich zwischen repräsentativen Eingängen der Familienmitglieder und ihrer Gäste sowie den Erschließungsmöglichkeiten des Dienstpersonals unterschieden werden. Doch es stellt sich die Frage: Wieso steht die Villa ‚wie verdreht‘ auf ihrem Grundstück? – Ursprüngliche Wegebeziehungen könnten eine mögliche Antwort darauf sein.

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Die Grundrisse weisen mehrere Erschließungsmöglichkeiten des Gebäudes auf, wobei deutlich zwischen herrschaftlichen Zugängen unterschieden werden kann und solchen, die wohl der hauswirtschaftlichen Geschäftigkeit gewidmet waren. Am deutlichsten wird dieser Klassenunterschied wohl bei genauerer Betrachtung der Freitreppe: während die Familie und deren Gäste über die Freitreppe zur Loggia und von dort in die repräsentativen Wohnräume des Hauses gelangten, führt eine verborgene Tür – über die Absenkung des Geländes, an der Seite des Treppenkörpers – in das unterste Geschoss und die Hauswirtschaftsräume.

Diese strikte Trennung war für Villenbauten damals nicht ungewöhnlich. Ja, sogar gewünscht. Der österreichische Architekt, Lothar Abel (1841 – 1894), kritisiert das Gebäude, dass „nur einen Eingang hat, so dass sich dann Gäste, wie man zu sagen pflegt, mit den Dienstleuten den Rücken reiben. […] Die Familie muss unbedingt freien Ausgang geniessen, ohne unerwarteterweise mit der Dienerschaft zusammenzustossen, und ebenso muss die Dienerschaft leichten Zugang für die Erfüllung ihrer Dienstpflichten haben, um nicht mit den Familienmitgliedern oder Gästen zufällig zusammen zu kommen. In einem wohleingerichteten Hause wird daher beiderseits diese Abgeschlossenheit gewiss geschätzt.“ [1]

Die Erschließung über die Freitreppe kann wohl als Hauptzugang der Villa eingeordnet werden, wobei es auch denkbar ist, dass die Familie Buth ebenfalls die Eingangstür der Tiefparterre nutzte, die auf der Straßenseite des Hauses liegt und die über eine stuckverzierte Diele zum Treppenhaus und von dort in die darüberliegenden Stockwerke führte.

Während die Eingangsmöglichkeiten in das Haus zwischen Familie und Personal unterschieden, gab es innerhalb des Hauses nur ein Treppenhaus das entsprechend gemeinschaftlich genutzt werden musste. Anders als Beispielobjekte, die die Wege der Hauswirtschaft auch im Innenraum der Villa möglichst versteckt halten wollte. [2]

Bei der Betrachtung der Erschließungssituation der Villa Buth scheint eins jedoch merkwürdig: Die scheinbar verdrehte Positionierung der Villa auf dem Grundstück. Die Freitreppe schaut gen Parkanlage, während der eher privat gestaltete Garten [siehe Fotografien der Ursprungszeit der Villa] auf der Straßenseite liegt.
Was hat sich geändert? Was hat damals funktioniert, was heute keinen Sinn mehr ergibt?

Zum einen könnte die sich gewandelte Funktion der Villa selbst und ihre verschiedensten Bewohner eine Rolle spielen – in den Folgekapiteln wird dieser Wandel noch deutlich.

Aber auch Kirchberg als Ort hat sich weiterentwickelt:

Was heute nur noch zu erahnen ist, wird auf Fotografien der Begründung zur Denkmalwürdigkeit von 1990 (erneuert 2011) unverkennbar: die Verbindung von Villen- und Fabrikgelände. Es wurden nicht nur Blickbeziehungen aus der Parkanlage über das Fabrikgelände geschaffen, die Wege laufen auch auf die Fabrik zu und beide Gelände wurden miteinander verbunden über elegant gestaltete Toranlagen. Es kann also davon ausgegangen werden, dass der Arbeitsweg Emil Buths nicht täglich entlang der Straße, sondern durch seine Parkanlage führte. Aber auch für die Geschäfte der Hausdame bot sich der Weg durch den Park an. Pläne aus den 1930-40er Jahren zeigen, dass das Zentrum Kirchbergs sich verlagert hat und einst um die namensgebende Kirche des Ortes lagerte. – im Kapitel „die Parkanlage“ wird näher darauf eingegangen.


[1]    Abel, Lothar (1890): Das elegante Wohnhaus. Eine Anleitung Wohnhäuser aussen und innen mit Geschmack zu erbauen und auszustatten.: Wien. Pest. Leipzig, A. Hartleben’s Verlag. S. 48

[1]    Germersheim, Barbara von (1988): Unternehmervillen der Kaiserzeit. (1871 – 1914); Zitate traditioneller Architektur durch Träger des industriellen Fortschritts. Zugl.: Bochum, Univ.,Diss., 1987. München: Scaneg (Beiträge zur Kunstwissenschaft, 25)


Spuren der Vergangenheit

Noch heute befindet sich historische Bausubstanz im Inneren der Villa Buth, die in der Eintragung von 1990 als „von besonderem künstlerischem Wert“ [1] eingestuft wurde.

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Genannt wird hier unter anderem ein originaler Fliesenboden in der Tiefparterre; dieser befindet sich im ehemaligen Dielenbereich des Geschosses, welches die Wirtschaftsräume aufnahm. Außerdem wird ein „originaler Terrazzobelag mit Mosaik-Ornamenten“ aufgezählt, der Bodenbelag der Loggia im Repräsentationsgeschoss der Familie. Aber auch das Treppenhaus wird aufgeführt, das sich mittlerweile, im Zuge des Verfalls, leider in einem abgängigen Zustand befindet. Darüber hinaus kann auch sämtlicher Wand- und Deckenstuck in zahlreichen Bereichen der Villa als ursprünglich eingeordnet werden, der sich teilweise unter Abhangdecken und eingezogenen Wänden verbirgt, teilweise auch durch das Auftragen von Wandfarbe ein verändertes Erscheinungsbild erhielt [1].
Aber auch weitere Quellen weisen Spuren der Vergangenheit auf, die sich heute noch in der Villa befinden. So werden historische Kaminportale im Abbruchantrag der Villa Buth benannt [2], die sich im Obergeschoss des Gebäudes befinden und hier Hinweis auf eine Wohnfunktion geben.

Auch das Gebäude selbst, seine Gestaltung aber auch seine Baukonstruktion, erzählt von seiner Erbauungszeit. Welche Mittel standen zur Verfügung? Welches waren gängige Konstruktionsformen? Unter abplatzendem Stuck treten in der Villa Buth hauptsächlich Mauerwerkswände, aber auch Holzbalkendecken und vor allem in den unteren Geschossen auch Kappendecken zum Vorschein.


[1]    Stadt Jülich, Untere Denkmalbehörde. 1990/ 2011. Denkmaleintragung Villa Buth.

[2]    Dipl.-Ing. (FH) Christoph Bhardt. 2023. Gutachterliche Stellungnahme Villa Buth, Jülich.


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