Über die historische Ordnung der Parkanlage
Die historische Anlage rund um die Villa Buth folgt größeren übergeordneten Gestaltungsprinzipien, die auch heute, obwohl sich die Anlage in Teilen stark änderte, noch ablesbar sind. Grob lässt sich die Gesamtanlage in drei Zonen unterteilen: Den Villengarten, die Parkanlage und die Nutzgärten. Villa, Villengarten und Parkanlage sind entlang einer mittig liegenden Symmetrieachse gestaltet. So sind beispielsweise die Wege der Parkanlage überwiegend achsensymmetrisch angelegt.
Der Villengarten erstreckte sich vermutlich von der Wymarstraße im Nordosten der Villa bis zum Fuß des Hügels südwestlich der Villa, wo die Parkanlage anschließt. In historischen Ansichtskarten der Villa Buth erkennt man, wie das achsensymmetrische Prinzip auch auf den Villengarten übertragen wurde. [2], [3] In der Karte, die das historische Konzept der Anlage zeigt, ist die vermutliche historische Wegeführung im Villengarten rekonstruiert.
Der Mühlenteich wurde über die gesamte Breite des Villengarten kanalisiert. Der Villengarten schaffte somit einen nahtlosen Übergang zur Parkanlage. Über die Überleitung mittels des Villengartens von der Villa zur Parkanlage lässt sich auch die heutige Drehung der Villa mit der Rückseite zur Straße erklären. Die historische Vorderseite der Villa war über die Freitreppe direkt mit dem Garten verbunden (siehe auch Die Villa als Zeugin). Über die Gestaltung des Gartens konnte ein direkter Bezug zur Fabrik, zur Parkanlage und somit auch die Wegeverbindung zur ehemaligen Dorfmitte erreicht werden. Heute ist noch die Gestaltung der Mauer (Teil von Bauabschnitt 1) als Absturzsicherung der Brücke über den Mühlenteich erkennbar. Sie ist, so wie die Villa, im klassizistischen Stil der Neorenaissance gestaltet.
Neben der historischen Brüstung am kanalisierten Mühlenteich ist ein weiteres Gestaltungselement der Entstehungszeit im Villengarten erhalten. Ein rundes Beet (ursprünglich vermutlich ein Wasserbecken oder Brunnen) mit einem umlaufendem geformtem Kantstein aus Naturstein liegt etwa mittig zwischen dem kanalisierten Mühlenteich und der Freitreppe auf der Symmetrieachse. [4, 5]
Während der Villengarten und die Parkanlage also die architektonischen Gestaltungsprinzipien der Villa aufnahmen, liegen die Nutzgärten südöstlich des Villengartens und entziehen sich dieser formalen Gestaltung. Die Obst- und Gemüsegärten dienten dazu, die Bewohnenden der Villa zu verpflegen. [6]
Verschiedene Raumideen ergeben ein Ganzes
In Luftbildern der 50er und 60er Jahre ist die historische Gestaltung der Parkräume noch ablesbar [1, 7]. Die grundlegenden räumlichen Ideen der verschiedenen Parkräume, von Wiesen bis zu Wäldern, überdauerten wohl zunächst die Zeit. Er war aus verschiedenen, abwechslungsreichen Räumen konzipiert, so wie für Landschaftsgärten üblich [6].
Dichter bepflanzte Flächen wechselten sich mit luftigeren Wiesen ab, auf denen einzelne große Bäume ihre ganze Pracht entfalten konnten. Dort wo besonders viele von Vegetation freigehaltene Räume liegen, war ein besonderer Fokus auf Sichtbezüge gegeben.
Elemente der Parkanlage und ihr Zusammenhang mit dem Gesamtkonzept
Auf der Parkanlage befinden sich Kleinarchitekturen, die im besonderen Maße mit dem Gestaltungskonzept arbeiten. Sie sind Teil des Gesamtkonzeptes aus Sichtbezügen und formalen Gestaltungsachsen. Neben dem auf der Mittelachse gelegenen Familienfriedhof, ist eine imposante Anlage aus Grotte- und Musiktempel vorhanden. Erfahren Sie im Folgenden mehr über die Gestaltungsprinzipien dieser besonderen Parkelemente.
Friedhof
Schneidet man das Gelände entlang der Mittelachse der Villa wird die Dramaturgie entlang der Symmetrieachse und die bewusste Arbeit mit der Topographie deutlich.
Am höchsten Punkt der Achse ist der Friedhof zu verorten. Entlang der Symmetrieachse war also ein klarer dramaturgischer Bezug zur Villa aufgebaut. Die Architektur der Villa übertrug sich zunächst auf den Villengarten und die Parkanlage, bevor sie im Gedenken an die verstorbenen Familienmitglieder kulminierte.
Grotte und Musiktempel
Auch an anderer Stelle wird die Topographie genutzt, um Beziehungen zu stärken. In Richtung der Fabrik bietet der Musiktempel den höchsten Aussichtspunkt der Anlage. Von hier aus muss man eine gute Gesamtsicht über Fabrik, Villa und die Landschaft in beiden Richtungen gehabt haben.
Die Grotte ist über einen Steg wie ein Satellit an den Musiktempel angebunden, der in Richtung der Fabrik ausgerichtet ist. Auch von der Grottenanlage aus ist der direkte Bezug zur Fabrik hergestellt.
Fotos aus der Anlage zur Denkmaleintragung zeigen, welch starke Verbindung auch 2011 noch zwischen Grottenanlage und Fabrikgelände bestanden. [9, 10] Man kann sich gut vorstellen, wie im 20. Jhd. Geschäftspartner erst zur Villa geladen wurden, um dann über die Parkanlage mit einem Zwischenstopp an der Grotte zur Fabrik geführt zu werden.
Heute ist diese Beziehung nicht mehr direkt spürbar: Eingänge wurden zugemauert und Ausblicke sind verwuchert. Dennoch ist deutlich zu erkennen, dass es sich bei dem Ensemble aus Grotte und Musiktempel einmal um eine imposante Anlage gehandelt haben muss. Der Musiktempel verfügt über eine niedrig gelegenere große Terrasse von ca. 220m² mit einer großen Brunnenanlage, die von einer kleineren Terrasse mit ca. 35 m² bekrönt wird.
Und deshalb ist das Ensemble so beeindruckend!
Die Anlage beeindruckt nicht nur mit ihrer schieren Größe, auch die zusammenhängende und abgestimmte Gestaltung von Villa, Villengarten und Parkanlage zeigen, welchen Repräsentationswillen die Erbauer zeigten. Villa und Villengarten bildeten ein eng verknüpftes Ensemble, welches dem übergeordneten Prinzip der Achsensymmetrie folgte. Der Villengarten untermalte den repräsentativen Charakter der Villa und bildete einen klar gestalterisch formalen Übergang zur Parkanlage sowie zur Fabrikanlage. Der Park stellte in seiner ursprünglichen Fassung ebenfalls klare Bezüge zur Villa und zur Fabrik her. Die zunächst natürlich anmutende Gestaltung wird stark durch die mittlere Symmetrieachse bestimmt: Während die Parkanlage im Stil eines Englischen Landschaftsgartens gestaltet ist, bedient sie sich ebenfalls übergeordneter Gestaltungsprinzipien von Barockgärten.
[1] Hansa Luftbild AG, historisches Ortophoto 1956. Zugriff am: 5. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.tim-online.nrw.de/tim-online2/
[2] HO31 18a Kirchberg, Gruß aus Kirchberg Kr Jülich Villa Eichhorn Villa Buth Wymarshof, Ansichtskarte, Ende 19. Jahrhundert, Stadtarchiv Jülich, Fotosammlung.
[3] Stadt Jülich Der Bürgermeister. Im Auftrag Cremer, Villa Eichhorn mit Garten und Parkanlage mit Friedhof, Liste: Baudenkmal, lfd. Nr. 57: Gemarkung Kirchberg, Flur 2, Flurstücke 1, 12, 14 242; Teil aus 274 (Bereich Grotte und Musiktempel).
[4] Kerstin Walter, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Villengarten mit Wasserbecken (ehem. Gartenparterre).
[5] Stadt Jülich, Stetternich, Kirchberg, Altenburg, Selgersdorf, Daubenrath: angefertigt aus 17 Blattausschnitten der Deutschen Grundkarte, Grundriß 1:5000. Stadtarchiv Jülich, D-46, 1954.
[6] R. Hombach, Landschaftsgärten im Rheinland: Die Erfassung des historischen Bestands und Studien zur Gartenkultur des „langen“ 19. Jahrhunderts (Zugl.: Köln, Univ., Diss., 2010) (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland Bd. 37). Worms: Werner, 2010. [Online]. Verfügbar unter: https://swbplus.bsz-bw.de/bsz327133317rez.htm
[7] Hansa Luftbild, (10832) Kirchberg, Gauß-Krüger-Koordinaten: Rechtswert: 2524, Hochwert: 5640, Luftbild Kirchberg. Zugriff am: 5. Januar 2026. [Online]. Verfügbar unter: https://dfg-viewer.de/show/?tx_dlf[id]=https%3A%2F%2Fwww.landesarchiv-nrw.de%2Fdigitalisate%2FAbt_Rheinland%2FRW_0230%2F%7E108%2F10832%2Fmets.xml
[8] N. Losen, „Der Park der Villa Buth als Denkmal,“ in Villa Buth: Zwischenstation zum Holocaust (Veröffentlichungen des Jülicher Geschichtsvereins 1923 e.V. 22), T. Ohrndorf und I. Gedig, Hg., 2. Aufl. Ammianus Verlag, 2024.
[9] Kerstin Walter, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Zugang vom Fabrikgelände zum Park – Grotte auf Flurstück 274.
[10] Kerstin Walter, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Sichtbeziehung Grotte – Fabrikgelände, Flurstück 274.