Ein Gebäude
viele Zeitschichten

Die Stuckfassade der Villa Buth versteckt, dass diese einen starken Wandel in ihren Raumeindrücken durchlaufen hat. Das Erlebbarmachen dieser Zeitschichten steht in diesem Entwurf im Mittelpunkt:

Mehrere Rundgänge durch das Gebäude machen diese erlebbar. Je nachdem, durch welchen Eingang die Villa Buth betreten wird, werden die Raumeindrücke einer anderen Zeit durchlaufen.

Zum einen werden Räume annähernd in ihren Ursprungszustand zurückversetzt. Nachträglich eingezogene Wände und Abhangdecken werden zurückgebaut, um Stuckdecken freizulegen und die ausladenden, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten der Fabrikantenvilla wieder herzustellen.

Auf einem anderen Pfad werden die kleinen verschachtelten Raumstrukturen der Nachkriegszeit erlebbar.

Außerdem gibt es einen zentralen Raum, der dem Gedenken der jüdischen Menschen dienen soll, denen die Villa Buth als Zwangsunterkunft diente. Der Raum stellt einen Andachts- und Veranstaltungsraum dar.


Teilweise werden diese Raumeindrücke bespielt durch dauerhafte Inszenierungen von Wohnsituationen, entlehnt von Erinnerungen tatsächlicher Bewohner:

Einerseits eine „Wohnnische“ gezeigt, die darstellt, wie sich die Wohnbedingungen vorzustellen waren, zu der Zeit in der die Villa Buth als Zwangsunterkunft teilweise mehr als 100 Jüdinnen und Juden diente.

Andererseits nachgestellt werden Wohnräume einer siebenköpfigen Familie, die in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Villa Buth zuhause waren.


Darüber hinaus werden Vorschläge für mögliche Veranstaltungen, Projekte und Ausstellungen gemacht, die das Augenmerk auf die in der Geschichte der Villa angelegten Themen richten und zugleich den Entwurf beleben.

von Ira Weglau


Eine Zukunft für die Parkanlage?

In den Außenanlagen der Villa Buth schlummert großes Potential. Wie kann ihre Zukunft aussehen? Im Entwurf zur Parkanlage wird das, was da ist zum Leben erweckt und mit kleinen gezielten Eingriffen durch eine neue Zeitschicht ergänzt.

Spaziergänge durch Raum und Zeit

Thematische Spaziergänge leiten über die Außenanlagen der Villa Buth. Sie erläutern die Geschichte der Anlage räumlich: Von der Entstehungsgeschichte, über die Zeit als Zwangsunterkunft für Jüdinnen und Juden, die Nutzungen ab den 50er Jahren bis heute. Aus allen Zeiten blieben im Park Spuren, die über die Komposition der Spaziergänge sichtbar und erfahrbar gemacht werden.

„Flanieren im privaten Park“ führt die Besuchenden entlang der ursprünglichen historistischen Ordnung und weist auf die historischen Stationen hin.
Mit dem Spaziergang „Pragmatismus der Nachkriegszeit“ können die Veränderungen der Außenanlagen in den 50er und 60er Jahren nachvollzogen werden. Mit Einrichtung einer Gärtnerei und dem Bau des Hauses Im Knüppelchen 8 wurde die ursprüngliche Ordnung des Parks entlang einer Symmetrieachse durchbrochen und die Querverbindung gestärkt.
Die „Zeitreise“ vereint alle Zeitschichten und gibt einen Gesamtüberblick über alle historischen Stationen. Auch die neu hinzugefügten Interventionen werden thematisiert.

Alle Spaziergänge beginnen am neuen Eingang für Kirchberg. Hier wird die Mauer symbolisch geöffnet und mit einem neuen Vordach versehen – alle sind hier willkommen!

Vom neuen Eingang aus nähert man sich über die ehemalige Pferdekoppel der Villa an: Eine ungewohnte Perspektive auf dieses Gebäude mit „zwei Rückseiten“. An der Weggabelung kann entschieden werden: Links abbiegen für den historistischen Spaziergang, rechts abbiegen, um über den Pragmatismus der Nachkriegsjahre zu lernen. Oder doch gleich alle Stationen auf der Zeitreise mitnehmen?

Eine Gedenkstätte im Villengarten

Während im Großteil des Parks das Aufschließen und Sichern des Bestandes im Vordergrund steht, wird im Villengarten ein Gedenkort eingerichtet. Aus Ziegelsteinen gestaltete Wege leiten zu diesem Ort über, die Mauer spiegelt sich somit im Boden wider. Mit einer historisierenden kreisförmigen Wegeführung wird die vermutliche historische Gestaltung des Villengartens aufgegriffen. Zentral ist eine einfach Plattform, die über dem ehemaligen Wasserbecken errichtet wird. Hier kann man sich aufhalten oder die Plattform als kleine Freilichtbühne nutzen.

Die für die Zwangsunterkunft wichtige Mauer, die den Jüdinnen und Juden den Zutritt zur Parkanlage verwehrte, wird symbolisch geöffnet. Trotzdem bleibt ihr Eindruck als trennendes Element bestehen. An jeden Insassen und jede Insassin der Villa Buth erinnert ein rot glasierter Ziegel mit Namen. Die Abbruchkante wird mit den Namenssteinen gestaltet und weitere Einzelsteine ersetzt.

Im Familienbuch Euregio ist eine Liste der zwangsweise untergekommenen Jüdinnen und Juden der Villa Buth zwischen 1941 und 1942 aufgearbeitet. Einige der Namen wurden für die Zeichnung beispielhaft aufgegriffen. Insgesamt gibt es über 150 Steine.

von Sigrid Neffgen

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